Ein NAS kann heute weit mehr als Dateien ablegen. Docker-Container, virtuelle Maschinen, Medienserver und eine Home-Assistant-Instanz teilen sich dann dieselbe Hardware. Die UGREEN DXP4800 GT ist für genau diesen Ausbau gedacht: vier Laufwerksschächte, zwei NVMe-Steckplätze, ein Ryzen Embedded R2514 und zwei 10-Gigabit-Netzwerkanschlüsse.
Im Video ersetzt Sascha seinen bisherigen Mini-PC durch eine Home-Assistant-Installation auf dem NAS. Das zeigt die Reserven der Plattform, aber auch den wichtigsten Zielkonflikt: Wenn Speicher, Smart Home und weitere Dienste auf einem Gerät laufen, wird dieses NAS zum zentralen Ausfallpunkt.
Stand der technischen Prüfung: 8. Oktober 2026. Aktionspreise und Tracking-Links aus der Videobeschreibung wurden nicht übernommen. Die technischen Daten stammen von der offiziellen UGREEN-Produktseite.
Die Hardware der DXP4800 GT
UGREEN verbaut einen AMD Ryzen Embedded R2514 mit vier Kernen und acht Threads. Das Gerät wird mit 8 GB DDR4 ausgeliefert und lässt sich laut Hersteller auf 64 GB erweitern. Das Betriebssystem UGOS Pro liegt auf einem separaten 64-GB-eMMC-Speicher. Dadurch belegen Systemdateien nicht automatisch einen Teil des eigentlichen Datenverbunds.
- vier SATA-Schächte für 2,5- oder 3,5-Zoll-Laufwerke
- zwei M.2-NVMe-Steckplätze für SSD-Volumes oder Cache
- U.2-Unterstützung in den vorderen Schächten 1 und 2
- zwei 10GbE-RJ45-Anschlüsse
- USB-A, USB-C, SD-Kartenleser und HDMI-Ausgang bis 4K bei 60 Hz
- JBOD, Basic sowie RAID 0, 1, 5, 6 und 10
Die beworbenen 144 TB ergeben sich aus vier Laufwerken mit jeweils 32 TB plus zwei NVMe-SSDs mit jeweils 8 TB. Das ist die rohe Maximalkapazität der unterstützten Steckplätze, nicht der nutzbare Platz in jedem RAID. Redundanz, Dateisystem und Snapshots reduzieren die verfügbare Kapazität.
Zwei 10GbE-Ports bedeuten nicht 20 Gbit/s für einen Rechner
Jeder Netzwerkanschluss stellt einzeln 10GbE bereit. Beide Ports lassen sich laut UGREEN an einem geeigneten Managed Switch bündeln. Das schafft bis zu 20 Gbit/s Gesamtbandbreite für mehrere gleichzeitige Verbindungen. Ein einzelner Client bleibt über einen 10GbE-Link auf maximal 10 Gbit/s begrenzt. Außerdem müssen Client-Adapter, Switch beziehungsweise Direktverbindung, Verkabelung und Laufwerke schnell genug sein.
Im Video arbeitet Sascha noch mit Gigabit-Ethernet. Für Home Assistant allein ist das kein Problem; dessen typische Datenraten sind klein. 10GbE wird interessant, wenn große Videodateien direkt auf dem NAS bearbeitet, mehrere schnelle Backups parallel geschrieben oder virtuelle Maschinen mit großen Datenmengen versorgt werden.
Eine Einschränkung aus dem Video gehört ebenfalls in die Planung: Sascha konnte ein gebündeltes Interface in seiner damaligen UGOS-Konfiguration nicht als Bridge an die Home-Assistant-VM durchreichen. Im NAT-Modus funktionierte die Verbindung, eine direkte Bridge über das Bonding jedoch nicht wie erwartet. Das ist eine konkrete Beobachtung dieser Softwareversion und sollte nach UGOS-Updates neu geprüft werden.
U.2 und M.2 erfüllen unterschiedliche Aufgaben
Die beiden M.2-Steckplätze sitzen zusätzlich zu den vier Frontschächten im Gerät. Sie können als SSD-Speicherpool oder als Cache dienen. U.2-Laufwerke werden dagegen in Schacht 1 oder 2 eingesetzt und ersetzen dort ein SATA-Laufwerk. UGREEN nennt PCIe 3.0 x4 für diese Anbindung.
U.2 ist vor allem für ausdauernde Enterprise-SSDs interessant, etwa für Datenbanken, aktive Projektdateien oder VM-Speicher mit vielen Schreibzugriffen. Für einen privaten Backup-Server kann das unnötig teuer und stromhungrig sein. Im Video nutzt Sascha die NVMe-Laufwerke als eigenes redundantes Volume für virtuelle Maschinen. Das ist eine sinnvolle Alternative, wenn schnelle VM-Datenträger wichtiger sind als ein Cache für große Dateiübertragungen.
ECC-Unterstützung ist nicht gleich ECC ab Werk
Die Plattform unterstützt laut UGREEN ECC-Arbeitsspeicher. Ausgeliefert wird die DXP4800 GT jedoch mit einem normalen 8-GB-DDR4-Modul ohne ECC. Wer Fehlerkorrektur nutzen möchte, muss kompatiblen ECC-Speicher separat einbauen und vorher die Freigabe in der UGREEN-Kompatibilitätsliste prüfen. Für mehrere VMs und Container sind 8 GB ohnehin schnell knapp, auch wenn eine einfache Dateiablage damit auskommt.
Home Assistant: App, Container oder virtuelle Maschine?
UGOS Pro bietet ein App Center, Docker-Unterstützung und virtuelle Maschinen. Im Video wird Home Assistant über die von UGREEN angebotene Installation eingerichtet. Das ist bequem, bindet den Betrieb aber stärker an das Paket und dessen Pflege durch den NAS-Hersteller.
- Hersteller-App: schnell eingerichtet, aber Updates und Paketformat hängen von UGREEN ab.
- Container: gut kontrollierbar und sparsam, entspricht bei Home Assistant jedoch nicht Home Assistant OS mit Supervisor und Add-ons.
- Virtuelle Maschine mit Home Assistant OS: vollständige HAOS-Umgebung, dafür mehr RAM-Bedarf und zusätzliche Netzwerkkonfiguration.
Für eine produktive Smart-Home-Zentrale ist die VM oft die nachvollziehbarste Trennung. Vor der Migration gehören ein vollständiges Home-Assistant-Backup, ein getesteter Wiederherstellungsweg und die Prüfung von USB-Geräten auf die Liste. Zigbee- oder Z-Wave-Sticks müssen zuverlässig an die VM durchgereicht werden. Alternativ kann ein netzwerkbasierter Coordinator die Bindung an einen einzelnen USB-Port vermeiden.
Das NAS wird zum gemeinsamen Ausfallpunkt
Laufen Home Assistant, Dateifreigaben und Medienserver auf derselben DXP4800 GT, betrifft ein UGOS-Neustart alle Dienste. Gleiches gilt für Wartung, RAM-Probleme oder einen Defekt des NAS. RAID schützt nur gegen bestimmte Laufwerksausfälle. Es ersetzt weder Backup noch eine zweite Wiederherstellungsmöglichkeit.
- Home-Assistant-Backups regelmäßig auf ein anderes System kopieren.
- NAS-Konfiguration und wichtige Daten nach der 3-2-1-Regel sichern.
- Eine USV für kontrolliertes Herunterfahren einplanen.
- VM-Autostart und Verhalten nach Stromausfall testen.
- Wartungsfenster so wählen, dass Licht, Heizung und Sicherheit nicht unerwartet ausfallen.
Leistung und Strombedarf realistisch einordnen
Sascha berichtet im Video von etwa 10 bis 15 Watt Mehrverbrauch gegenüber seiner DXP4800 Plus. Das ist seine Beobachtung im eigenen Aufbau, keine reproduzierbare Labormessung für jede Bestückung. Prozessorlast, Zahl und Typ der Laufwerke, Energiesparzustände, Netzwerkmodule und laufende VMs verändern den Verbrauch deutlich.
Wer nur Backups ablegt und Home Assistant betreibt, braucht weder U.2 noch zwei 10GbE-Ports. Die GT lohnt sich eher, wenn mehrere Aufgaben gleichzeitig laufen, schnelle Netzwerkpfade vorhanden sind oder VMs und Container die zusätzlichen CPU- und RAM-Reserven tatsächlich nutzen.
Fazit
Die UGREEN DXP4800 GT ist ein leistungsfähiges Vier-Bay-NAS mit ungewöhnlich viel Ausbaupotenzial. Ryzen-CPU, zwei 10GbE-Ports, M.2 und U.2 machen sie vor allem für schnelle Arbeitsdaten, mehrere Dienste und virtuelle Maschinen interessant. Home Assistant läuft im gezeigten Aufbau problemlos mit großen Reserven. Die wichtigere Frage ist, ob die Zentralisierung zum eigenen Sicherheits- und Backup-Konzept passt. Wer diese Abhängigkeit sauber absichert, kann damit mehrere Geräte zusammenführen. Für eine reine Smart-Home-Zentrale wäre die Hardware deutlich überdimensioniert.

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