Die Reolink OMVI 2i Ultra kam bei mir mitten im Schmuddelwetter an: kalt, nass, morgens kurz nach acht, kaum Licht. Für eine solarbetriebene Akkukamera ist das der unangenehmste Fall. Ich habe sie deshalb bewusst nicht bei Sonnenschein aufgebaut, sondern an einer langen Hausseite, an der man auch mal um die Ecke läuft. Zwei Fragen standen für mich im Vordergrund: Reicht die Energie aus dem Solarpanel, und verliert der schwenkbare Kopf eine Person trotzdem nicht aus dem Bild?
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Was in der OMVI 2i Ultra steckt
Die OMVI 2i Ultra ist keine Kamera mit einem Objektiv, das sich per Motor dreht. Reolink verbaut zwei getrennte Linsen in einem Gehäuse: oben eine starre Weitwinkel-Linse, unten ein beweglicher Kopf mit eigener Linse. Der Kopf übernimmt das Verfolgen, die Weitwinkel-Linse liefert den Überblick. Das ist der eigentliche Unterschied zu einer klassischen schwenkbaren Kamera, bei der die einzige Linse gleichzeitig schwenken und den Überblick behalten muss.
- Weitwinkel-Linse oben: 3840 × 2160 Pixel (8 MP) bei 15 Bildern pro Sekunde, 2,8 mm Brennweite, Blickfeld 110° horizontal und 133° diagonal
- Linse im Kopf: 2880 × 1616 Pixel (5 MP) bei 15 Bildern pro Sekunde, 6 mm Brennweite, Blickfeld 52° horizontal
- Schwenkbereich des Kopfes: bis 355° horizontal und 55° vertikal, automatische Verfolgung laut Reolink nur für diese Linse
- PIR-Sensor: 10 Meter Reichweite, 110° Erfassungswinkel
- Akku: 10.000 mAh, herausnehmbar; Reolink nennt bis zu sechs Monate Laufzeit mit einer Ladung
- Solarpanel: 6 Watt. Laut Reolink reichen 0,5 Stunden Sonnenlicht pro Tag für den täglichen Energiebedarf, die SolarEase-Ladung arbeitet mit 26 % Wirkungsgrad
- WLAN 6 im 2,4- und 5-GHz-Band, Bluetooth 5.0 für die Ersteinrichtung
- microSD bis 512 GB (FAT32, Klasse 10 oder schneller), IP65, 180 × 168 × 99 Millimeter, 1010 Gramm mit Halterung
Der PIR-Sensor ist der Punkt, der im Winterbetrieb wichtiger ist, als er klingt. Er arbeitet unabhängig vom Bild und weckt die Kamera auch dann, wenn die Szene so dunkel oder so verrauscht ist, dass die Bildanalyse allein nichts erkennen würde. Erst danach entscheidet die Kamera, ob sie den Scheinwerfer dazuschaltet und aufzeichnet.
SolarEase im Wintertest: Was bei Kälte und Regen passiert
Ich habe die Kamera im winterlichen Garten aufgebaut, bei Kälte, Nässe und einem Himmel, der morgens kaum hell wurde. Genau in dieser Situation soll die SolarEase-Technologie von Reolink laut Hersteller auch bei mäßigem bis fehlendem Sonnenlicht noch eine kleine Ladung in den Akku bringen. Das war für mich die interessanteste Behauptung des ganzen Datenblatts, denn die meisten Ausfälle bei Akkukameras entstehen nicht im Sommer, sondern im Dezember.
Im Video siehst du den Verlauf: Am Anfang tut sich am Akkustand bei dem Wetter fast nichts. Als gegen Ende des Drehs ein paar Sonnenstrahlen durchkommen, geht die Ladung sichtbar nach oben. Das ist ein ehrlicher Ausschnitt und keine Messreihe. Eine Aussage darüber, wie sich der Akkustand über einen kompletten Wintermonat entwickelt, kann ich nach diesem Test nicht treffen. Dafür müsste die Kamera über Wochen an genau einem Standort mit geloggten Werten laufen.
Auch die sechs Monate Laufzeit sind eine Herstellerangabe mit Bedingung. Reolink rechnet sie auf eine sehr sparsame Nutzung. Im Video nenne ich als Rechengröße durchschnittlich fünf Minuten Aufzeichnung pro Tag. Wer eine viel befahrene Zufahrt oder einen belebten Hauseingang überwacht, wird deutlich häufiger aufgezeichnet und entsprechend kürzer ohne Nachladung auskommen. Die Ersparnis durch den herausnehmbaren Akku liegt an anderer Stelle: Der Akku lässt sich tauschen, statt die Kamera nach ein paar Jahren zu ersetzen, und er erfüllt laut Reolink die aktuellen EU-Batterievorgaben.
SyncTrack und Auto-Framing in der Praxis
Der Ablauf ist einfach erklärt: Erkennt die obere Weitwinkel-Linse eine Person, ein Fahrzeug oder ein Tier, schickt sie den Kopf automatisch in diese Richtung. Der Kopf verfolgt das Objekt dann so lange, bis es aus dem Bild verschwindet. Reolink nennt das SyncTrack und bewirbt ausdrücklich, dass die Verfolgung auch dann weiterläuft, wenn sich das Objekt aus dem Sichtfeld der Weitwinkel-Linse herausbewegt.
Was mich daran im Test am meisten überzeugt hat, ist die Geschwindigkeit des Kopfes. Meine vorbeirennenden Kinder waren für die Verfolgung kein Problem, und auch bei den kalten Temperaturen blieb die Mechanik zuverlässig. Wenn ich mich in einem größeren Bereich frei bewegt habe, hat die Kamera automatisch neu eingeframt und mich weitgehend im Bild behalten. Andere Kameras in meinem Aufbau verlieren in solchen Situationen deutlich früher den Anschluss.
Eingreifen kann man trotzdem. Über einen virtuellen Joystick lässt sich der Kopf von Hand drehen, und mit der Punktsteuerung tippst du in der Panoramaansicht einfach auf eine Stelle, die die Linse im Kopf anfahren soll. Ein Detail aus den offiziellen FAQ: Damit SyncTrack und die Punktsteuerung sauber arbeiten, musst du nach der Montage draußen einmalig eine Kalibrierung im Menü starten.
Beim Zoom bleibe ich vorsichtig. Im Video ist von einem zehnfachen Digitalzoom die Rede, im offiziellen Datenblatt nennt Reolink keinen Faktor, sondern beschreibt nur das automatische Hinein- und Herauszoomen per Auto-Framing. Nachgemessen habe ich den Faktor nicht. Sicher ist: Die 5-Megapixel-Linse im Kopf holt Details heran, die in der Weitwinkelansicht untergehen.
Zwei Scheinwerfer, die mitdenken
Reolink verbaut zwei getrennte Lichtarrays: eines im Hauptgehäuse für die Weitwinkel-Linse und eines im beweglichen Kopf, das die Richtung mitdreht. Beide bestehen aus je zwei LEDs mit 6500 Kelvin und sollen laut Datenblatt bis zu zehn Meter Farbaufnahmen bei Nacht ermöglichen. Dazu kommt eine Infrarot-Nachtsicht mit ebenfalls zehn Metern Reichweite.
Für eine Hausseite, wie ich sie hier habe, ist die Ausleuchtung erstaunlich kräftig. Ich hätte bei zwei kleinen LEDs pro Array weniger erwartet. Der praktische Gewinn liegt aber weniger in der Helligkeit als in der Aufteilung: Wenn nur der Kopfbereich verdächtig ist, leuchtet auch nur diese Richtung aus. Dazu kommen Sirene und Zwei-Wege-Audio für den Fall, dass man mit jemandem vor der Kamera sprechen will.
Home Assistant: Akku-Kameras brauchen ein Zwischengerät
Reolink listet für die OMVI 2i Ultra ausdrücklich die Kompatibilität zum Reolink Home Hub. Für Home Assistant ist das der entscheidende Punkt. Die offizielle Reolink-Integration in Home Assistant, die von Reolink autorisiert ist, bindet Akkukameras nämlich nicht direkt an, sondern über ein Zwischengerät: Der Home Hub oder ein NVR übernimmt die Verbindung und hält den Akku der Kamera aus dem Spiel. Der Hub ist dabei das Gerät, das selbst in Home Assistant hängt, nicht die Kamera.
Dass es bei Reolink auch anders geht, hängt vom Modell ab. Manche Akkukameras lassen sich direkt einbinden, andere brauchen zwingend ein Zwischengerät, weil sie ihre Energie anders verwalten. Für die OMVI 2i Ultra nennt die offizielle Kompatibilitätsliste der Home-Assistant-Integration aktuell getestete Akkumodelle wie die Argus-Reihe und die Altas-Modelle, die OMVI 2i Ultra steht dort noch nicht. Reolink verweist für weitere Modelle auf eine eigene, längere Liste kompatibler Kameras. Wer die Kamera also genau wegen der Home-Assistant-Anbindung kauft, sollte das vor dem Kauf mit der eigenen Hub- oder NVR-Generation abgleichen und nicht davon ausgehen, dass die Integration schon ab Werk getestet ist.
Ein Verhalten der Integration sollte man ebenfalls kennen: Akkukameras erscheinen in Home Assistant als schlafend, solange niemand aktiv hinschaut. Wird der Stream dauerhaft angezeigt, bleibt die Kamera wach und zieht Akku. Ein Wandtablet mit permanent sichtbarem Kamerabild ist deshalb genau die falsche Verwendung. Wie ich Kameras sonst in Home Assistant einbinde und welche Fehler ich dabei vermeide, steht in meinen Best Practices für Licht, Zigbee und Kameras. Ein Reolink-Modell, bei dem die Home-Assistant-Anbindung von Anfang an unkompliziert war, ist die Reolink Video Doorbell Battery im Test.
KI-Erkennung ohne Abo
Die Erkennung von Personen, Fahrzeugen und Tieren läuft auf der Kamera selbst und braucht kein Reolink-Abo. Das Abo brauchst du nur, wenn du ohne Home Hub oder NVR in der Reolink-Cloud speichern und dort auswerten willst. Mit einem Home Hub oder NVR bekommst du die lokale Videosuche für alle angeschlossenen Kameras direkt im Gerät. Aufnahmen landen auf einer microSD-Karte mit bis zu 512 GB, und wer keine Cloud will, muss auch keine bezahlen. Warum mir dieser Punkt grundsätzlich wichtig ist, habe ich in meinem Beitrag zur lokalen Cloud ohne Abo-Falle ausführlicher aufgeschrieben.
Mein Fazit zur Reolink OMVI 2i Ultra
Für einfache Anwendungen ist die OMVI 2i Ultra überdimensioniert. Wer nur den Hauseingang frontal beobachten will, fährt mit einer günstigeren Kamera besser. Interessant wird sie in unübersichtlichen Szenarien: lange Hausseiten, Grundstücke, die man um die Ecke verlassen kann, oder Flächen, die mit einer starren Linse nur teilweise abgedeckt wären. Da spielt sie ihre Stärken aus, und die Verfolgung des Kopfes war für mich der überzeugendste Teil des Tests.
Die Einschränkungen will ich genauso klar nennen. Die Kamera bleibt auf Tageslicht angewiesen. Ein Standort ohne jede Sonneneinstrahlung funktioniert nicht, auch wenn SolarEase deutlich früher anspringt als ich erwartet hätte. Die sechs Monate Laufzeit gelten für sparsame Nutzung. Und einen Widerspruch solltest du kennen: In der Spezifikationstabelle nennt Reolink einen Betriebsbereich von -20 °C bis +55 °C, in den FAQ dagegen -10 °C bis +55 °C. Falls du die Kamera dauerhaft im Frost betreibst, kläre diesen Punkt vorher beim Hersteller, statt dich auf die Tabelle zu verlassen.
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